Der Start

Erwischt im Straßenverkehr

Heute waren wir in Manila bei der Immigrationsbehörde. Da ab 6 Uhr die Straßen sehr überlastet sind, sind wir schon um 4:45 Uhr losgefahren, um bis um 7 Uhr im Norden Manilas (Gesamtstrecke: 48,5 km) zu sein. Seit dem ich hier bin, lerne ich im philippinischen Straßenverkehr durchzusetzen. Vorfahrt hat der, der seine Motorhaube weiter vorne hat. Und wer denkt, dass die Lichthupe bedeutet, dass man fahren darf, baut sicher gleich mal einen Unfall. Es bedeutet nämlich: Vorsicht, ich komme! So schnell fährt man hier zwar nicht, wichtig ist trotzdem hohe Konzentration, wenig Abstand zum Vordermann und schnelle Spurwechsel. Regeln hier scheint es keine zu geben, jeder fährt einfach, wo er man besten durchkommt. Nur die Ampel wird grundsätzlich ernstgenommen, da mir erzählt wurde, dass die Polizei bestraft.

Wirklich schnell fahren kann man nur auf dem Skyway, einer durchgehenden Brücke über Manila, auf der man Maut zahlen muss.

Die Filipinos hier attestieren mir schon gute Fahrkünste und auch ich hab den Eindruck, dass ich ziemlich schnell vorankomme. Durch etwas frisches Gebäck (!) sind wir bei Immigration ziemlich schnell fertig gewesen und haben uns wieder auf den Rückweg gemacht. Bei einer Baustelle musste man rechts oder links unmittelbar vor einer Ampel an einem Hindernis vorbeifahren. Als ich nach dem Hindernis wieder Blick auf die Ampel hatte, war diese Gelb. Ich bin natürlich noch hinter den Autos vor mir hergefahren. Und da war er plötzlich der Polizist, der mich heraus gewunken hat. Stimmt, ich bin weiß und war in einem relativ neuen Auto unterwegs. Aber plötzlich wirft er mir vor, ich wäre über eine rote Ampel gefahren. Leider hat er sich auch von meiner philippinischen Mitarbeiterin nicht überreden lassen und nachdem anfangs nur 1000 PHP haben wollte, hat er im Laufe des Gesprächs auf 1500 PHP erhöht.

Das Geld wäre mir egal gewesen, das Problem war, dass er mir meinen Führerschein nicht mehr geben wollte. Den würde ich erst wieder bei den Behörden in der Stadt bekommen und ich müsste das Wort “Discount” sagen. Klingt ziemlich verdächtig nach Korruption und ich habe gelernt, dass ich hier nie mehr jemand meinen Führerschein gebe – leider zu spät. Als er dann den Vorschlag zur Güte machte, dass ich ihm das Geld geben sollte und ihm eine Autorisierung zur Einzahlung schreiben sollte (Bestätigung würde ich per SMS bekommen), keimte Hoffnung in mir auf. Leider fragte die Mitarbeiterin dann, was passieren würde, wenn ich keine SMS bekommen würde. Irgendwie fühlte er sich dadurch angegriffen (er ist ja nicht korrupt!) und ließ uns keine andere Wahl mehr, als zum Amt zu fahren. Wehmütig schaute ich meinen Führerschein nach und freute mich gleichzeitig über meinen Strafzettel für “reckless driving”, der mir wenigstens für 24 Stunden als Übergangsführerschein diente.

Bei der Verkehrsbehörde im Einkaufszentrum (klar, dort kauft man sich seinen Führerschein zurück) angekommen, befand sich diese natürlich im Keller. Zum Glück kamen mir keine Menschen mit Brandflecken von Elektroschockern entgegen, was mir Hoffnung gab. Nachdem ich mich über die ungerechte Behandlung beschwert hatte (ich bin ja nicht über eine rote Ampel gefahren, sondern über eine gelbe), rief der verantwortliche Polizist den Straßenpolizist an, er ihm natürlich den Rotlichtverstoß bestätigte. Beruhigt war ich, als ich nur 750 PHP zahlen musste, sogar ohne das Wort Discount zu verwenden.

Wenn hier ein Polizist keinen Beleg ausstellt, wird er nach dem Erlass des neuen Präsidenten fristlos gekündigt.

Und die Moral von der Geschicht: nur mit Dashcam fahren und nie den Führerschein aus der Hand geben!

Author

tobiaska123@gmail.com

Comments

Judy
November 17, 2019 at 9:05 pm

Spannende Geschichte!! 😀 gut dass alles gut ausgegangen is 🤪😅



Stefan
December 9, 2019 at 8:03 pm

Whow. Respekt.
Eine Bitte: Lass mal ein Video aufzeichnen von Dir im dortigen Straßenverkehr.
Und wenn möglich, bitte mit Kommentaren, was da gerade vor sich geht.



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