Reisen

Der Weg ist das Ziel

Wenn einer Reise tut, dann kann er was erzählen…darum eine kleine Vorwarnung, das wird eine laaaaanger Blogpost.

Wir haben noch 5 Tage Urlaub für diese Jahr, den wir nicht ins nächste Jahr mitnehmen können. Die wollen wir natürlich nicht verfallen lassen und so beginnen unsere Überlegungen wo es hingehen soll. Nach mehreren Abwägungen entscheiden wir uns für Boracay. Eine kleine Insel mit ganz viel Strand. Boracay ist das Urlaubsmekka schlechthin aber im Moment gibt es ausschließlich einheimische Touristen hier – entweder Filipinos oder Wahlfilipinos, wie wir.

Also starten wir die Vorbereitungen. Im Moment kann man nicht einfach ein Hotel buchen und dann in ein Flugzeug steigen. Die Vorbereitungen beginnen erst einmal mit Bürokratie. Jede Region hat so seine eigenen Regeln. Für Boracay braucht man eine Health Declaration Card. Am Donnerstagabend schicken wir alle geforderten Dokumente ab und warten geduldig auf eine Antwort. Drei Tage später sind wir dann stolze Besitzer eines Touristen QR Code und können weiter planen.

Wir könnten ja einfach fliegen…nach Manila fahren, in ein Flugzeug steigen, eine kurze Fahrt zum Hafen, dann ca 10 min mit dem Boot und eine letzte kurze Fahrt zum Hotel. So hätte unsere Reise ausschauen können…hätte!

Standard ist aber nicht immer was für uns. Wir entscheiden uns aus verschiedenen Grünen für einen Roadtrip. Wir starten am Dienstagmorgen um ca 8:00 Uhr und fahren mit dem Auto nach Batangas. Dort angekommen kaufen wir ein Ticket für die Fähre nach Mindoro. Ein kurzer erster Schockmoment – die nächste Fähre soll erst um 5 am Abend gehen, das würde Stunden warten bedeuten und dann noch einen lange Autofahrt im Finstern. Klingt nicht verlockend. Tobi findet dann doch noch einen anderen Anbieter, der um 11:30 starten soll. Es ist eine langsamere Fähre, aber trotzdem viel besser.

Also Ticket gekauft und dann gehts wieder durch den “Einfahrtsprozess” am Hafen. S-pass herzeigen, Terminal-fee zahlen, mehrmals irgendwelche Zettel bekommen und herzeigen und dann noch die Inspektion vom Auto. Als wir durch sind können wir schon direkt auf die Fähre fahren. Wir suchen uns einen Platz aus und warten auf die Abfahrt. Es ist drückend heiß und ich bin komplett durchgeschwitzt als es endlich losgeht und eine Brise vom Meer uns Abkühlung verschafft.

Die Fahrt ist recht unspektakulär – wir essen unsere Lunchpakete und versuchen uns mit lesen und Musik hören von der sehr lauten Beschallung des Fernsehers abzulenken. Nach ca 4 Stunden kommen wir dann in Calapan an. Wie das letzte Mal müssen wir uns registrieren und wieder unseren S-pass herzeigen. Wir bekommen einen kleinen Zettel ausgehändigt mit der Anweisung uns bei unserem Zielort in der Barangayhall (Gemeindeamt) zu melden.

Weiter gehts mit dem Auto zu unserer Bleibe für die Nacht. Tobis Stellvertreter, Robert, wohnt hier auf Mindoro und wir können bei ihm übernachten. Nach ca 2,5h Fahrt kommen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit an. Die Fahrt auf Mindoro ist wie immer wunderschön. Reisfelder, Wälder von Palmen und Bananenstauden und Berge im Hintergrund.

Wir bekommen ein leckeres Abendessen serviert mit vielen Früchten und grünem Papayasalat – herrlich! Am Abend versuchen wir noch mit Robert unsere weitere Reise zu planen. Wir brauchen jetzt noch eine Fähre nach Caticlan und von dort sind es nochmal 10 min mit dem Boot nach Boracay. Unser Auto werden wir hier parken, da Touristen kein Auto auf Boracay bringen dürfen. Robert kennt den Hafenmeister von Roxas (sein Heimatort) und fragt ihn nach dem Fahrplan für die Fähre – entweder um 5 Uhr morgens oder um 8, aber eine genauere Antwort soll später noch kommen. 8 kling humaner in unseren Ohren und so gehen wir zufrieden schlafen – nichtsahnend, dass der Spaß jetzt erst so richtig beginnt.

Ahja, bevor es weiter geht in der Erzählung, wir zeigen Robert noch den kleinen Wisch den wir am Hafen bekommen haben mit dem wir uns in seinem Ort melden sollen…er lacht nur und meint das bräuchten wir nicht, keiner wird es nachverfolgen. Wenn du mal auf Mindoro bist interessiert sich keiner mehr für dich… Auf die Frage, was das mit dem Zettel dann soll meint er, es ist für “Compliance”… was das jetzt genau heißen soll, weiß ich auch nicht, aber wir belassen es einfach dabei.

Am Morgen wachen wir von einem typischen philippinischen Geräusch auf – krähende Hähne. Gleich mehrere. Es ist 6 Uhr und Tobi schreibt Robert, dass wir wach sind. 20 min später kommt die Antwort, dass wir gleich losfahren müssen, weil jetzt doch um 7 eine Fähre geht. Wir sind ruckzuck fertig. Doch dann der ernüchternde Anruf, die Fähre ist doch schon weg. Noch sind wir nicht so beunruhigt. Robert telefoniert mit seinem Freund und erfährt, dass für heute von Roxas erst am Abend wieder eine Fähre fährt, aber die braucht 8 h. Klingt nicht so verlockend. Aber in einem anderen Ort soll eine Fähre um 10 gehen. Wir frühstücken in Ruhe, bekommen noch Früchte als Proviant mit und dann fahren wir los. Eine Stunde durch wunderschöne Gegenden von Mindoro später erreichen wir einen verschlafenen Haven. Es ist ungefähr 8:30 und der Ticketschalter ist noch nicht offen. Wir machen es uns im Terminal gemütlich. Ca 10 min später ein Anruf von Robert. Er hat nochmal mit den Leuten vor Ort gesprochen und es ist noch nicht sicher, ob die Fähre um 10 fährt. Es müssen mind. 7 Autos da sein und bis jetzt sind es erst 4. Wir können warten, aber das Risiko besteht, dass wir dann hier festsitzen. Außerdem hat er nochmal telefoniert und von Roxas geht jetzt doch eine Fähre um 2 am Nachmittag. Sogar 2 verschiedene. Eine langsame, die 6h braucht und eine etwas schnellere mit einer Fahrtzeit von 4h. Falls das alles etwas verwirrend ist, wisst ihr wie es uns in dem Moment ging 😉

Innerlich will ich einfach vor Ort bleiben und hoffen, dass noch 3 Autos kommen, aber Robert rät uns mit ihm mitzufahren und er ist der “local” also fahren wir die Stunde durch schöne Landschaft wieder zurück. Später fragt sich Tobi immer wieder ob wir nicht einfach den Preis für die 3 Autos zahlen hätten sollen. Dann wären wir um ein Uhr in Caticlan gewesen. Der Preis dafür wäre ungefähr 60 Euro gewesen. Zwar ca das 5fach, was wir letztendlich gezahlt haben…aber es hätte uns einiges an Reisezeit gesparrt. Naja, die besten Ideen kommen ja bekanntlich immer zu spät.

Jetzt sind wir erst mal wieder in Roxas bei einem Freund von Robert untergebracht und warten bis 12:30, um dann wieder zum Hafen zu fahren. Robert verabschiedet sich von uns, er hat andere Termine und muss heute auch noch nach Manila aufbrechen. Aber bevor er fährt telefoniert er noch mit unserem Hotel, um sicher zu stellen, dass wir von Caticlan nach Boracay weiter kommen. Unterstützung von Einheimischen ist besonders in Zeiten wie diesen sehr wertvoll.

Während wir warten kommt ein älterer Herr bei der Tür herein und bringt uns frische Papaya und Mandarinen. Es stellt sich heraus, dass er der Hafenmeister ist mit dem Robert heute schon mehrmals in Kontakt war. Er setzt sich zu uns und erzählt ein bisschen aus seinem Leben und auch, wie er gläubig geworden ist. Ein nettes Gespräch, das uns die Zeit verkürzt…mehr denken wir uns noch nicht dabei. Im Laufe des Gespräches stellt es sich heraus, dass seine Schwester irgendwie für die eine Fähre arbeitet und er deshalb mit uns zum Hafen kommen möchte. Gesagt getan, er und Roberts Freund organisieren ein Tricycle für uns und wir stopfen uns mit all unserem Gepäck in den kleinen Beiwagen. Unser neuer Freund setzt sich hinten aufs Moped und los gehts. Nur wenige Minuten sind wir wieder am Hafen. Das 3. Mal heute. Aber aller guter Dinge sind ja bekanntlich 3. Leider fahren von den 2 geplanten Fähren doch nur eine und das ist die langsame mit 6h. Wir sind einfach nur froh, dass wir überhaupt eine Fähre haben. Der Hafenmeister begleitet uns sogar noch auf die Fähre und zeigt uns wie die Passagieren sitzen…aber hier sollen wir nicht bleiben meint er und leitet uns eine Treppe weiter nach oben. Schließlich bringt er uns in einen Raum mit kleinen Couchen und ein Besatzungsmitglied bringt uns auch noch 2 Matratzen, schließlich werden wir 6h fahren und wollen uns vllt bisschen hinlegen.

Kurze Zeit später verabschiedet sich der Hafenmeister nachdem wir natürlich noch ein Foto mit ihm gemacht haben und wir setzen uns auf die Couch und verstehen immer noch nicht, wie das jetzt eigentlich alles gekommen ist…wie gesagt, die Hilfe von Einheimischen ist sehr wertvoll in Zeiten wie diesen!

Wir verbringen die 6 h mit Karten spielen, schlafen, Musik hören und den Sonnenuntergang anschauen. Ahja und mit Essen. Jetzt sind wir wirklich dankbar, dass wir Bananen und Mandarinen mitbekommen haben und Tobi kauft am Schiff noch ein paar Cracker und Erdnüsse. So ist unser Mittagessen und Abendessen komplette.

Um kurz nach 20 Uhr kommen wir dann endlich in Caticlan an. Dort erwartet uns ein junger Mann namens Brian. Das Hotel hat ihn geschickt und er schleust uns durch ein weiteres “Einreiseprozedere.” QR code herzeigen, Terminal-fee zahlen, Umweltgebühr gibt es auch noch und dann noch ein Ticket für die Überfahrt auf Boracay kaufen. Brian ist sehr hilfsbereit und wir schon etwas müde und froh, dass er da ist. Dann heißt es aber nochmal warten. Das Boot kann nicht ablegen, da im Moment zu hoher Wellengang ist, außerdem warten wir wiedermal auf mehr Passagiere, dass die Auslastung stimmt. Brian meint, dass noch auf 7 mehr Personen gewartet werden muss, wenn keine mehr kommen fahren wir spätestens um 22:00 Uhr. Mittlerweile ist es 21:15. Während Tobi mit dem Gedanken spielt, ob er für 7 Personen zahlen soll geht es dann doch plötzlich los. Die Wellen sind wirklich hoch und das Einsteigen ins Boot etwas abenteuerlich, aber wir schaffen es unversehrt und nach knappen 10 min legen wir in Boracay an. Ich bin froh, als wir wieder vom Boot aussteigen können, die hohen Wellen haben meinem Magen nicht gut getan. Viel länger hätte er die kostbaren Erdnüsse und Bananen nicht behalten.

Am Hafen in Boracay wartet ein Van des Hotels auf uns und bringt uns die letzten wenigen Kilometer zu unserem Hotel. Wir biegen in eine schmale Gasse ein, die zum Hintereingang führt. Es wird immer schmäler und ich rechne jeden Moment, dass wir stecken bleiben. Aber dann sind wir schon da und die Managerin des Hotels begrüßt uns höchstpersönlich. Sie war es die mit Robert telefoniert hat und mit ihm unseren Shuttledienst organisiert hat. Sie ist sehr zuvorkommend und zeigt uns unser Zimmer direkt neben dem Pool – free Upgrade! Sie wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt und wir freuen uns über eine heiße Dusche und ein bequemes Bett. Nach 38h sind wir jetzt tatsächlich in Boracay angekommen. Was lernen wir daraus? Flieg mit dem Flugzeug? Nimm die erstbeste Fähre und wenn es heißt um 4 Uhr aufstehen? Ich würde sagen, genieße die Philippinen und die Hilfsbereitschaft der Einheimischen!

Author

julia@tjka.at

Comments

Judy
December 15, 2021 at 8:43 pm

Wunderschönes Schlusswort, wie recht du hast! Danke für den Bericht ☺️



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