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“Heim”reise

Eigentlich hätte mein nächste Blogartikel wieder über gutes Essen auf den Philippinen sein sollen, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich schreibe deshalb nicht über Dragenfruit und unseren Mangobaum hinterm Haus sondern von meiner Heimreise…

Reisen in Coronazeiten, das muss festgehalten werden. Was hat sich verändert, was nicht? Ich versuche mal meine Eindrücke revue passieren zu lassen…

Das erste Aufwachen, dass diese Reise anders sein wird war ca eine Woche vor meiner geplanten Abreise. Wir hatten den Flug für den 2.7. gebucht, nach Frankfurt statt München, da München noch nicht angeflogen wird. Wir haben auch gleich online den Zug nach Simbach gebucht, Sparticket versteht sich, kostet schließlich weniger und dann…eben ca eine Woche vorher ein SMS: Flug storniert. Bam. Wir konnten umbuchen auf den 5.7. ohne Probleme, aber da war sie da…die Unsicherheit, wird dieser Flug fliegen, wird auch der Anschlussflug funktionieren. Wir haben kein weiteres Sparticket mehr gekauft zur Sicherheit. Ich muss sagen, bis Samstag Abend war ich mir nicht 100% sicher, ob ich wirklich fliegen werde.

Aber dann wars soweit. Keine Absage SMS. Tobi hat mich zum Flughafen gebrach. Schon als wir auf das Flughafengelände kommen wird unsere Temperatur gemessen, ein Abschied mit Klos im Hals und los gehts… Ausgerüstet mit Masken und Desinfektionsmittel habe ich mich in die erste Schlange gestellt. Ich hab mir gedacht, wird wahrscheinlich nicht so viel los sein am Flughafen und alles recht zackig gehen…trotzdem sind wir die empfohlenen 4 h vorher da gewesen.

Die erste Schlange: 45 min Wartezeit, um in den Flughafen mal reinzukommen. Wieder Temperatur messen (noch immer kein Fieber) und das Gepäck einmal durch die Röhre.

Dann die 2. Schlange: 2 h Wartezeit für den Check-in. Hm, doch nicht so wenig los. Naja, ich hab genug Zeit, um auf Auffälligkeiten zu achten. Das Check-in Personal ist in blaue oder weiße Anzüge gehüllt. Sonstige Angestellte vom Flughafen nicht. Warum der Unterschied, keine Ahnung. Mir fällt auf, dass um mich herum die Leute einen Zettel bekommen. Als ich den Mann frage, ob ich den auch brauch verneint er, ist nur für Leute mit philippinischen Pass. Ich erlaube mir einen Scherz und frage, woher er weiß, dass ich keinen philippinischen Pass habe. Zum Glück versteht er den Scherz (obwohl er ja mein Grinsen hinter der Maske nicht sieht), denn er lacht nur und sagt, “because you are a foreigner” (“weil du Ausländerin bist”).

Nach dem Check-in geht’s zur nächsten Schlange…immigration. Oder doch nicht…hab hier lösen sich die Schlangen komplett auf. Weder bei der Immigration noch bei der Sicherheitskontrolle muss ich anstehen. Dafür wartet aber eine andere Überraschung auf mich. Ich muss 2880 Pesos (ca 50 Euro) für eine Exit clearance zahlen. Mir rutscht das Herz kurz in die Hose…ich hab nur 1300 Pesos und 25 Euro, aber ob sie die nehmen… Sie nehmen sie und wechseln sie gleich für mich. Trotzdem fehlen noch ca 400 Pesos. Was mache ich, wenn ich ein Problem habe? Genau, Tobi anrufen 😉 Der sagt mir, dass ich eine PayMaya karte habe mit der ich Geld abheben kann. Am Tag vorher wollte er sie schon fast rausnehmen, weil er gedacht hat, die brauch ich eh nicht zu Hause…wir sind beide extrem dankbar, dass er das nicht gemacht hat! God is good.

Ich kann also endlich dafür zahlen, dass ich das Land verlassen darf 😉 und werde noch netter Weise darauf hingewiesen, dass ich jetzt nicht mehr ins Land reinkomme…ich bedanke mich für die Info und gehe durch die Sicherheitskontrolle (so leer hab ich eine Sicherheitskontrolle glaub ich noch nie gesehen).

Beim Gate angekommen fallen mir gleich die Sitzgelegenheiten auf. Jeder zweite Sitz ist angeklebt so, dass man nicht darauf sitzen kann. Mehrmal sieht man Plakate, die auf den Sicherheitsabstand hinweisen. “Live the new normal” (Lebe den neuen Normalzustand) steht darauf.

Ca 1 h noch bis zum Boarding. Ich vertrete mir noch etwas die Beine. Plötzlich kommt mir 1 vermummte Person entgegen, die alle leeren Sitze abdampft, schaut aus wie in einem Katastrophenfilm. Der neue Normalzustand eben.

Flug Nr. 1 ist der längere Flug. Es is eine recht große Maschine und obwohl ich beim Check-in als ich die Schlange gesehen habe gedacht habe, dass der Flieger bum voll sein wird, ist tatsächlich immer der Mittelplatz frei (social distancing – the new normal). Ich habe einen Gangplatz und erhasche beim Abflug noch einen letzten Blick auf die Philippinen…mein zweites zu Hause, tatsächlich merke ich, dass es sich schon so anfühlt, dass ich von “zu Hause” wegfliege. Gleichzeitig fliege ich aber gefühlt auch “nach Hause”. Aber ich merke, dass das es letztendlich die Leute sind, die einen Ort zum zu Hause machen…

Ich vertreibe mir die Zeit mit Hörbuch hören, meinen Gedanken nachhängen und ein paar Rätsel, die ich noch eingepackt habe. (Danke Nicky :)). Zwischendrin kommt Essen in einer Box, es gibt nur Sandwiches, kein warmes Essen und Snacks. Trinken wird in vorgefüllten Bechern serviert. Aber bis auf die Maske (die mit der Zeit echt unangenehm wird) und das etwas anders verpackte Essen  ist es ein ganz normaler Flug wie ich finde.

Angekommen in Bahrain wartet die anstrengest Zeit auf mich. Es gibt leider nur für 45 min wlan und dann werd ich müde…es ist aber recht kalt und ich finde auch keine gute Position um zu schlafen. Die 7h Layover ziehen sich wie ein Kaugummi. Ca 2 h vor dem Boarding kommen einige Leute zum Gate. Einheimische denke ich…jedenfalls merke ich, dass für die Social distancing und die Maske nicht ganz so wichtig sind. Es gibt zu wenig erlaubte Plätze also nehmen sie auch die nicht erlaubten. (Hier sind die Sitzflächen nicht verklebt sondern nur ein Sticker zeigt welche nicht benutzt werden dürfen). Ich fühle mich tatsächlich etwas ungemütlich, vor allem, weil die Frau neben mir immer wieder vor sich hin hüstelt und ich später sehe, dass ihre Maske auf mein Handgepäck gefallen ist. Ich reinige zur Sicherheit mein ganzes Gepäck und mich mit Desinfektionstücher. Ich merke, der neue Normalzustand wird unterschiedlich gelebt. Und in mir verursacht er auch etwas Unwohlsein…

Ich habe dankenswerterweise einen Fensterplatz…ich weiß nicht, woran es genau liegt aber dieser Flug ist alles andere als “neuer Normalzustand”. Soweit ich es sehe is jeder Platz besetzt. Das Ein und Aussteigen ist recht chaotisch und ich höre irgendwo eine deutsche Bemerkung: “Wie war das mit dem Social distacing?” Ich bin zu müde um drüber nachzudenken und versuche eine bequeme Position zu finden. Erst zum Frühstück wache ich wieder auf…wieder Essen in der Box…Sandwiches.

Jedem wird ein Zettel ausgeteilt, wo man Kontaktinformationen von sich und einer weiteren Person, die einem nahe steht, angeben muss. Ganz oben steht…für tracing von eventuellen Übertragungen…natürlich wird versichert, dass die Infos für nichts anderes verwendet werden. Man hat eh keine Wahl, wie mir vorkommt…das Formular wird anschließend noch im Flugzeug wieder eingesammelt und es wird darauf geachtet, dass keiner durch den Rost fällt.

In Frankfurt läuft alles recht unkompliziert, digitale Einreise, Gepäck ist so schnell da wie noch nie und dann ab in den Zug. Alle Gedanke bezüglich der Einreise waren mal wieder umsonst. Kein Mensch hat sich für mich interessiert. 😀 Auf dem Weg zum Zug fällt mir die frische Luft auf, für mich riecht es nach Winter…im Juli! 😉

Im Zug ist nicht viel los. Auf die Maskenpflicht wird durch den Lautsprecher hingewiesen. Ich mach es mir in einer 2erreihe gemütlich. Normalerweise wird darauf geachtet, dass man keine Sitze mit Gepäckstücke verbaut, durch Social distancing kein Problem. Ich packe meinen Nebensitz voll mit meinem Zeug.

Schon komisch, gestern war ich noch auf den Philippinen und jetzt bin ich hier in Deutschland, auf dem Weg nach Österreich. Der Unterschied ist schon deutlich zu spüren, die Temperatur, die Luft, es ist so ruhig im Zug…ich meine kein Mensch sagt was…als ich kurz mit Tobi telefoniere ist mir das richtig unangenehm.

Schräg gegenüber auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein Mann und verwendet seine Maske als Kinnhalterung. Er wird später vom Zugpersonal freundlich auf die Maskenpflicht hingewiesen. Er verdreht die Augen. Sie weist ihn auf die 150 Euro Strafe hin, die ihm blüht, wenn die Polizei ihn so sieht. Er reagiert verärgert…”ist ja eh keine Polizei da…” Widerwillig zieht er die Maske weiter nach oben, zumindest über den Mund… Willkommen zurück in der Individualkultur mit niedriger Autoritätsdistanz!

In München muss ich umsteigen und habe eine Stunde Zeit. Der Magen knurrt und ich kaufe mir ein Sub…bin überfordert mit der Auswahl, wann hab ich das letzte Mal ein Sub bestellt, keine Ahnung. Beim Zahlen wird mir heiß und kalt, ich finde meine Bankomatkarte nicht. Glücklicherweise funktioniert meine Kreditkart, weil meine restlichen Euros in bar hab ich ja auf den Philippinen für die Ausreise verwendet. Mir wird bewusst, dass ich meine Karte bei Kauf des Zugtickets stecken gelassen habe…aiaiai, das fängt ja schon mal gut an alles.

Meine bessere Hälfte sperrt dankenswerter weise gleich meine Karte und ich muss jetzt auf eine neue warten. Im Zug von München bis Mühldorf und dann nach Simbach nutze ich die Zeit, um schon mal meine Erlebnisse aufzuschreiben. Und dann bin ich in Simbach und Lena holt mich vom Bahnhof ab. Alle nehmen sofort ihre Maske ab als sie aus dem Zug aussteigen…außer mir.

Heimkommen ist immer als ob man nie weg gewesen wäre…aber ich war weg und auch, wenn ich mich hier zu Hause fühle und es etwas besonderes ist bei meiner Familie zu sein…ein Teil von mir ist immer noch auf der Insel und bei den Menschen, die ich dort zurück gelassen habe.

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julia@tjka.at

Comments

Judy
July 9, 2020 at 7:42 pm

Danke Julia, dass du uns auf deine spannende Reise mitgenommen hast! Tobi war ja- wenn auch nicht körperlich – auch immer anwesend und hat dich begleitet, und wahrscheinlich nur geschlafen, wenn du im Flugzeug und warst, um sicher zu gehen, dass seine Liebste gut ankommt! Sehr tapfer warst!! Bis bald 🤗😘



Katharina
July 27, 2020 at 9:55 am

Schön, dass ihr jetzt hier in Europa seid😊😊 Ganz liebe Grüße!!



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