Der Start

Ein halbes Jahr!

Der erste Post nach einem Monat war noch auf den Tag genau pünktlich, das Update nach drei Monaten war schon zwei Tage zu spät und dieser Eintrag sogar mehr als eine Woche.

Denn seit heute bin ich stolzer Besitzer eines aktiven Bankkontos mit MasterCard und OnlineBanking. Ich war schon ganz mutlos, als die Bankangestellte gesagt hat, dass seit dem Lockdown keine Karten angekommen sind – trotzdem war meine dabei 🙂 Zuletzt hat mir das Konto gar nicht mehr so gefehlt, da ich GCash und PayMaya genutzt habe, das sind im Prinzip Smartphone verwaltete aufladbare MasterCards. Aber man muss schon sagen, dass es praktischer ist, wenn man nicht vorher sein Gehalt abheben muss um es dann bei 7-eleven auf eine PrepaidKarte zu laden.

Jetzt fehlt also wirklich nur noch der Führerschein und ab Anfang Mai werde ich wieder ohne Führerschein auf den Straßen unterwegs sein. Ich habe zumindest meinen Antrag als Beweis, das ich es versucht habe. Aber da wegen dem Lockdown ja z.B. auch Visas ablaufen, gibt es die Regelung, dass sobald der Lockdown zu Ende ist, einen Monat Zeit ist wieder “legal” zu werden. Das wird also eine meiner ersten “Ausflüge” sein, mir in Manila eine Übersetzung meines Führerscheins zu besorgen.

Aktuell ist die Arbeit etwas anders als sonst, da auch wir meistens von Zuhause aus arbeiten und mein Team zur Hälfte in AIIAS und zur Hälfte im temporären Büro in SSD sitzt. Zwei bis drei Mal wöchentlich treffen wir uns über Zoom und klare Ziele sorgen für die intrinsische Motivation.

Eigentlich hätten wir schon die Halbzeit bis zu unserem nächsten Heimatbesuch im August überschritten, aber ich bin mir aktuell gar nicht so sicher, ob wir wirklich nach Hause fliegen können. In Österreich müssten wir uns wahrscheinlich in häusliche Quarantäne begeben, aber bei unserer Rückkehr nach Manila hätte ich weniger Lust zwei Wochen in solch einer Quarantäneunterkunft zu verbringen. Wahrscheinlich müssen wir auf eine verfügbare Impfung warten, bis wir heimfliegen dürfen. Mal sehen, ob sich das bis Weihnachten ausgeht.

Obwohl natürlich die Umstände jetzt nicht besonders toll sind, sind wir sehr froh, dass wir rechtzeitig vor dem weltweiten Lockdown hier auf die Philippinen gekommen sind. In unserer Grobplanung hatten wir 2020 anvisiert, aber durch diese einzigartige Gelegenheit darf ich seit einem halben Jahr meinen Jugendtraum leben – was für ein Segen!

Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie die Filipinos diese Zeit bestreiten. Während in Europa Milliarden von Euros mit Kurzarbeit und Co. in die Wirtschaft gepumpt werden, meistern die Menschen hier durch Zusammenhalt und Kreativität ihr Leben. Die Regierung hat lediglich die Unternehmen dazu angehalten, das Weihnachtsgeld, das eigentlich im November gezahlt wird, jetzt schon auszuzahlen. Ihr wisst ja aus meinen Berichten, dass der Markt etwas sein kann, das Geduld braucht. Als ich heute unterwegs war, habe ich überall am Straßenrand Stände gesehen:

Warum den Markt generell nicht dort machen, wo die Leute wohnen? Eine geschäftstüchtige Gründerin hat einen Markt hier am SSD Campus organisiert:

Durch die vielen Katastrophen, die es hier immer wieder gibt, ist das Aufstehen und Weitermachen den Filipinos im Blut. Das möchten wir uns auf jeden Fall einmal mit nach Haus nehmen: zusammenhalten, mutig sein und überall neue Möglichkeiten sehen.

Und um genau so eine Dynamik zu unterstützen, hat die Regierung dafür gesorgt, dass der Frust auf keinen Fall ertränkt wird:

In guter Tradition schließe ich auch diesen Post wieder mit einem Bild von uns beiden – aus einer etwas anderen Perspektive:

P.S. Uns ist bei unseren Spaziergängen über den Campus dieser Baum aufgefallen, der innerhalb von einem Tag fast seine kompletten Blüten abgeworfen hat.

Wie schnell kannst du dich verändern?

Author

tobiaska123@gmail.com

Comments

Judy
April 30, 2020 at 10:48 pm

Danke für den spannenden Bericht! Ja, jetzt in der Luft zu hängen beim siedeln oder so wär nix, und genau jetzt braucht ja das Team einen guten Teamleiter der die intrinsische Motivation immer neu zu wecken versteht 🙂
Gibts jetzt generell keinen Alkohol? Clever die Filipinos, kann man sich einiges anschauen!



May 1, 2020 at 12:21 pm

Is scho a andere Mentalität…bin gespannt ob sich das im Sommer ausgeht bin da auch eher skeptisch…müsste ja mal einen Flug geben…



Hanna Wagner
May 2, 2020 at 1:24 pm

Eure Berichte sind so interessant und spannend zu lesen.
Der Besuch Eurer Eltern hat nicht geklappt und jetzt verschiebt Ihr auch Euren Heimaturlaub.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Das Wichtigste ist: Wir sind in Gottes Hand und er kennt die Zukunft und in der Rückschau werden wir dankbar seine lenkende Hand erkennen.
Bleibt gesund und fröhlich im Aufsehen auf Jesus!



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