Allgemein

Geschichten mit unserem Auto

Als ich gerade in Büro bin, ruft mich Julia an: unser Auto springt nicht mehr an – was könnte ich machen? Ich tippe auf ein Problem mit dem Schlüssel, aber das scheint es nicht so sein. Also mache ich mich mit dem AWR-Bus auf den Weg zu ihr, um das Problem zu untersuchen. Wir stellen fest, das das ganze Auto keinen Strom hat und ich öffne die Motorhaube. Der Abnehmer an der Batterie für den Pluspol schaut etwas locker aus. Ich wackle etwas daran, es klickt kurz und schon kann Julia das Auto anlassen. Leider ist das nicht die Lösung, denn beim nächsten Mal anlassen, als ich aus der Garage fahren will, rührt sich nichts – also wieder: Motorhaube auf, am Batteriekontakt wackeln und Motor anlassen. Es ist Freitag, zu spät zur Werkstatt zu gehen – irgendwas muss sich da doch machen lassen. Ich gehe durch die Wohnung in der Hoffnung irgendwas zu finden (da waren die Balik Bajan Kartons noch nicht da)…

Plötzlich fällt mein Blick auf ein Stück Draht und da kommt mir die Idee! Nur noch abisolieren und schon ist das Problem gelöst: filipino style!

Ein echter Deutscher würde jetzt natürlich am Montag trotzdem zur Werkstadt gehen, aber warum – es geht doch! Let´s keep it filipino style!

Die zweite Geschichte hat auch wieder mit filipino style zu tun – nämlich: Tanken filipino style! Ich zeig euch wie es geht:

Herrlich oder? Keine Dieselhandschuhe mehr, nicht mal die Türe öffnen. Einfach nur das Fenster herunterlassen und entweder den Betrag oder “full” sagen. Das Beste ist hier echtes Cashback: Wir haben eine Membership Karte für ein großes amerikanisches Geschäft und damit bekommen wir 3 Pesos Rabatt. Egal ob man mit Karte oder bar zahlt, mit der Rechnung bekommt man durchs Fenster immer Cashback. Könnte man für das Geld einfach mehr tanken? Nein! Könnte man einfach weniger zahlen? Nein. Sonst würde es ja nicht Cashback heißen 🙂

Die letzte Geschichte beginnt mit einem Rätsel: Auf den sog. Expressways oder Skyways muss man hier Maut zahlen. Dafür gibt es ein RFID basierendes System, bei dem man sich einen fast durchsichtigen RFID Sticker auf einen Scheinwerfer kleben muss:

Dazu gehört dann ein Konto, dass man entweder am Monatsende verrechnet bekommt oder wo man Geld drauf lädt (Prepaid). Auf dem Weg nach Manila konnten wir also bei den Mautstationen immer durch die ETC (Electronic Toll Collect) Spur fahren und Zeit sparen:

Als meine Großcousine und ihr Mann (dank ihnen haben wir den Vulkan noch vor seinem Ausbruch gesehen) kurz vor Jahreswechsel bei uns zu Besuch waren, haben wir einen anderen Weg nach Manila genommen, um sie zum Flughafen zu bringen und sind dort auch zu einer Mautstation gekommen:

Für welche Spur entscheide ich mich natürlich? Für die gelbe Spur wo RFID steht. Ist doch klar! Leider geht die Schranke nicht auf als wir uns nähern. Ich warte einen kurzen Moment und da kommt auch schon ein Mann und kassiert die 25 Pesos Maut (50 Cent). Ich frage ihn, warum das mit RFID nicht funktioniert hat und er erklärt mir, dass das ein anderen System sei. Auf meine Frage, woher ich das wissen sollte antwortet er: ETC und RFID ist doch nicht das Gleiche. Er fragt mich noch nach meinen Führerschein, aber den gebe ich nach meiner letzten Erfahrung mit der Polizei nicht mehr her. Er fragt mich nach einer anderen ID, daraufhin gebe ich ihm meinen deutschen Personalausweis – der gilt hier eh nicht. Er bittet mich die Spur freizumachen und mich hinter ein anderen Auto zu stellen, das auch nicht zwischen ETC und RFID unterschieden kann. Am Fenster steht dort ein Polizist und diskutiert mit dem Fahrer. Ich ahne Schlimmes. Zum Glück habe ich noch Zeit mich vorzubereiten: In meinem Geldbeutel lasse ich nur zwei Scheine, einen 100er (2 Euro) und einen 500er (10 Euro) – den Rest lasse ich im Handschuhfach verschwinden.

Von einem Bekannten habe ich gelernt, dass man so manchen Polizisten überzeugen kann, indem man seine Hand über das geöffnete Fenster legt und die Finger etwas öffnet, um einen Geldschein durchblitzen zu lassen. Ich habe den Eindruck, das dieser Moment jetzt gekommen sein könnte. “Endlich” kommt der Polizist zu unserem Auto. Er fragt wie lange ich schon im Land bin? Seit Oktober! Ob ich denn nicht weiß, dass der Führerschein aus meinem Heimatland nur 30 Tage gilt. Ich antworte bestimmt, dass er 90 Tage gilt. Er gibt klein bei, leider ist mit diesem Argument nichts zu holen. Dann kommt er zum Punkt: Ich habe fälschlicherweise die RFID Spur benutzt und das wären sogar zwei Verstöße. Dass ich das nicht gewusst hätte, ist für ihn kein Argument. Ich lasse 100 Pesos unter meiner Hand hervorblitzen und er bietet mir an, dass er statt zwei Verstößen (2000 Pesos) nur einen Verstoß (1000 Pesos) auf den Strafzettel schreibt. Dafür müsste ich allerdings immer noch zur Behörde in die nahegelegene Stadt fahren. Da heute Sonntag ist, müsste ich das am Montag machen und das würde mir einen halben Tag kosten. Alles bitten und betteln hilft nicht, auch keine Verwarnung will er mir geben. Er setzt wieder an um den Strafzettel zu schreiben. Ich verstehe das Problem, das der Polizist hat und tausche den 100er gegen einen 500er. Plötzlich ist er bereit mir eine Warnung zu geben. Gekonnt zieht er den 500er aus meiner Hand hervor während er mit dem Block kurz seine Bodycam verdeckt. Er wünscht mir eine gute Fahrt. Das ist Strafe zahlen: Filipino style 🙂

Wir waren alle sehr erleichtert, als wir rechtzeitig am Flughafen angekommen sind:

Nach all der Erleichterung und dem Vergleich der zwei Erfahrungen mit der Polizei haben wir uns gefragt: ist es eigentlich nicht unmoralisch, dieses Problem so zu “lösen” – auch wenn das nur Abzocke war? Ich meine wir reden hier von Bestechung – ein Polizist wird hier gekündigt, wenn sowas rauskommt. Rechtfertigt der eine Fehler den Anderen? Hätten wir die Fahrt zur Behörde am Tag darauf in Kauf nehmen sollen? Ist es ok, einem Polizisten zur Weihnachtszeit ein “Geschenk” zu machen (so hat uns ein Freud beruhigt)? Bin gespannt DEINE Meinung in den Kommentaren zu lesen!

Author

tobiaska123@gmail.com

Comments

Judy
January 23, 2020 at 7:58 pm

Also das mit dem Draht is super Filipino Style ☺️

Tja, die andere Geschichte mit der Polizei 🤷🏻‍♀️ Das weiß ich auch ned, ich tu mir da schwer, mich festzulegen. 🙈

… wie auch immer, schick euch eine feste Umarmung und wünsche euch eine tolle Zeit in Thailand!!



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Fast zuhause

January 19, 2020

Kulturschock die 2te

January 26, 2020