Katastrophen

Das Leben geht einfach weiter…

Danke für eure Gebete und eure Ermutigungen – die Situation ist (noch) nicht eskaliert und normalisiert sich langsam wieder. Wie? Die Kultur hier ist dabei sehr hilfreich, aber alles nach der Reihe…

Ein kurzer Rückblick:

  • Sonntag, 13 Uhr: Der Vulkan Taal spuckt Asche, die Warnstufe 4 gilt ab jetzt für zwei Wochen (gesetzliche Regelung). Jeder soll unbedingt im Haus bleiben und Türen und Fenster schließen. Einige Botschaften (z.B. Russland) evakuieren ihre Bürger noch am Abend nach Manila.
  • Montag: Der Vulkan Taal spuckt in der Nacht auch Lava, es gibt immer wieder Informationen, dass eine große Eruption kurz bevor steht. Am Nachmittag das SSD Crisis Team trifft zusammen und entscheidet, dass der SSD Campus zwar nicht evakuiert wird, es werden aber Notunterkünfte in Manila organisiert. Einige Mitarbeiter verlassen die Region.
  • Dienstag: Wir harren brav weiter in unserem Haus aus, weil immer noch keine Entwarnung gegeben wurde und wir keine N95 Masken haben.

Und als brave Europäer sind wir gewohnt zu warten, bis Entwarnung gegeben wird. Aber von wo soll die kommen? Wir lesen, dass die Vulkanasche dem Auto gar nicht gut tut und entschließen uns mit dem Schutz dieser improvisierten N95 Maske vor die Türe zu trauen:

Wir machen noch ein letztes Foto und treten mutig vor die Türe, besonders möchte ich meine Beine trotz der kurzen Hose mit Müllsäcken schützen:

Voll-vermummt waschen wir das Auto, leider ist besonders der Chrom schon sehr angegriffen:

Dann bekomme ich eine Nachricht von den Volunteers, ob sie zum Markt gehen dürfen und ob ich sie dorthin bringen kann. Mutig beschließe ich nicht nein zu sagen und zumindest zu prüfen, ob der Markt überhaupt offen hat. “Klar hat der offen”, sagen mir die Volunteers, denn zwei Mädels sind schon dort. “Was? Alleine? Ohne, dass sie mir Bescheid gesagt haben?”, denke ich mir. “Wobei stimmt, die Volunteers sind erwachsen und vor allem Einheimische.”

Ganz vorbildlich erkläre ich den Jungs ihnen wie man eine improvisierte N95 Maske baut und brav machen sie mit, sie sind ja auch keine Einheimischen. Gut gerüstet wagen wir uns zum ersten Mal gemeinsam vor die Tür:

Wir fahren zum Markt und außer der Asche ist alles normal:

Auf den Straßen ist normaler Verkehr, die Hauptstraße ist fast staubfrei:

Wir fahren noch zum örtlichen Supermarkt und außer Wasser in großen Flaschen (5l oder mehr) und Masken ist im Supermarkt alles wie normal erhältlich – nur ein Bankautomat funktioniert nicht:

Wir kommen wieder nach Hause und sind froh, dass wir wieder in Sicherheit sind. Unsere Nachbarin reinigt draußen ihre Einfahrt. Als es schon dunkel ist, läutet sie bei uns und fragt uns, ob wir noch unsere Einfahrt abspritzen wollen, die Asche hätte sie schon weggeräumt. Dankbar gehen wir nach draußen und säubern unsere Einfahrt mit dem Wasserschlauch. In Flipflops und ohne Müllsäcke um die Beine.

Heute morgen bin ich “trotzdem” aufgewacht und habe mich über die getane Arbeit gefreut:

Heute war ich wieder unterwegs und überall wird aufgeräumt:

Ist noch Warnstufe 4? Ja! – Könnte der Vulkan jederzeit wieder Asche spucken? Ja! Doch das Leben geht weiter!

Was habe ich daraus gelernt? Mutig sein und anpacken! Darin sind mir die Filipinos hier ein Vorbild: Egal welche Katastrophe zugeschlagen hat – vom drinnen Sitzen wird keine Normalität einkehren. Rausgehen und weitermachen!

Author

tobiaska123@gmail.com

Comments

Judy
January 15, 2020 at 9:56 pm

Wow, echt mutig und offensichtlich klappt’s ja ganz gut 😅 wir beten weiterhin, dass der Vulkan jetzt ruhig bleibt!



Jeanine
January 16, 2020 at 12:57 pm

Wahnsinn, was ihr erlebt! Wir beten weiter für euch! Möge Gott euch innere Ruhe schenken!



Benjamin
January 16, 2020 at 8:15 pm

Ihr seid echt mutig!
Wollte euch nur wissen lassen, dass wir als Familie für euch beten. 😉



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