Katastrophen

Hautnah dabei

Es ist ein ganz normaler Sonntag und für den Abend habe ich mir vorgenommen, zumindest einen der drei Blog-Einträge zu schreiben, die gedanklich schon fertig sind und nur noch verfasst werden müssen. Da die letzten zwei Wochen recht voll waren erledigen wir etwas Hausarbeit bevor wir um 15:30 Uhr zu Freunden nach AIIAS (ca. 3 km entfernt) aufbrechen, um gemeinsam zu Essen.

Auf der Fahrt nach AIIAS fällt uns noch nichts besonderes auf. Wir sitzen zu viert beim Essen, unterhalten uns gut und werden bald zur Nachspeise kommen. Draußen beginnt es zu regnen, wir hören Donner in der Ferne und trotzdem scheint die Sonne noch. Wir hoffen auf einen Regenbogen, ähnlich wie wir ihn bei uns zu Hause vor ein paar Tagen gesehen haben:

Plötzlich ein Anruf und unser Gastgeber antwortet: “yes, are you serious?” – nach einer kurzen Pause: “We will check it out!”. Er stürmt zum Fenster, wir hinterher. Da sehen wir es:

Der Taal Vulkan spuckt Asche und das zum ersten Mal seit 1977. Wir versuchen die besten Fotos aus verschiedenen Stockwerken zu machen und lassen es uns nicht entgehen auch ein Selfie von uns zu machen:

Sowas erlebt man nicht jeden Tag. Als wir von außerhalb des Hauses ein Foto machen wollen, ist die Lage plötzlich nicht mehr ganz so entspannt. Überall liegt schon Asche und die einige Leute stehen mit Regenschirmen vor ihren Häusern. Ein Auto fährt weg und unser Gastgeber bittet ihn noch schnell, auch Masken für uns mitzubringen.

Schon fängt das Handy an zu vibrieren, denn einige der Volunteers, die für das CDE arbeiten sind unterwegs. Auch die meisten unserer Fenster sind noch offen. Telefonisch versuchen wir abzuklären, wie wir uns jetzt am besten treffen können. Das Auto ist schon voller Asche:

Wir fahren los und um freie Sicht zu haben, verbrauchen wir viel Scheibenreinigungswasser.

Unser Haus liegt auf dem Weg zum Silang Market, von wo wir Rhea abholen werden. Wir füllen nochmal das Scheibenwasser auf und schließen alle Fenster zu Hause. Wir kämpfen uns durch dichten Verkehr und finden Rhea schnell. Sie hat bei einem Tricycle gewartet, bei dem die Familie nichts brauchbares hat, um sich vor dem Ascheregen zu schützen. Wir überlassen ihnen den Schirm unserer Gastgeber:

Der Verkehr ist fast ganz zum erliegen gekommen und die Dämmerung bricht herein. Vorher war es schon merklich dunkler, jetzt sieht man fast gar nichts mehr. Da auch die Scheinwerfer von Asche bedeckt sind, könnte man eh nur Schritttempo fahren. Julia versucht noch Masken und Wasser zu bekommen, aber die Masken sind bereits alle ausverkauft. Die sozialen Medien und Messenger laufen heiß und neben Bildern bekommen wir auch erste offizielle Warnmeldungen.

Es herrscht Warnstufe 4 und ein Umkreis von 14 km wird evakuiert. Wir sind 23 km vom Vulkan entfernt.

Inzwischen haben wir wieder AIIAS erreicht und Freunde haben uns noch zwei Masken organisieren können. Inzwischen bekommen wir die Nachricht, dass alle Volunteers jetzt in ihren Wohnungen sind. Nur noch wir sind auf dem letzten Weg zurück zum SSD Campus. Die Straße hat mittlerweile drei Spuren statt zwei, da auf der ganz rechten Spur immer wieder Autos stehenbleiben, um mit einem Wassercontainer ihre Scheiben zu reinigen. Endlich kommen wir zu Hause an und fahren unser Auto in die Garage – da werden wir bald richtig was zu putzen haben…

Wir sind dankbar, dass wir jetzt zu Hause sind und informieren uns in den sozialen Netzwerken (hier finden wir z.B. diesen Link) und auf Twitter. Dort finden wir auch eine offizielle Info:

Auch Bilder kursieren und wir erinnern uns, dass wir vor drei Wochen mit unserem Besuch genau hier standen:

Wir bitten um Gottes Schutz und hoffen das die Nacht ruhig bleibt, obwohl Blitze die ganze Zeit die Nacht erhellen. Froh sind wir besonders, dass alle Volunteers in ihren Unterkünften sind, denn das war nicht selbstverständlich. Eine der Volunteers hat morgen Geburtstag und ihre Familie ist zu Besuch. Eigentlich wollten mit ihnen in den “People’s Park” in der Nähe von Tagaytay. “Leider” war sie etwas fiebrig und hat deswegen zu Hause bleiben müssen. Was für ein Segen!

Update? hier weiter lesen

Author

tobiaska123@gmail.com

Comments

Gabi Templ
January 13, 2020 at 10:06 am

Wir beten für euch 🙏🏼
Gott schütze und behüte euch 🙏🏼
Seid herzlich umarmt,
Gabi und Wick



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