Zuhause fühlen

Ein langer Weg: unser Auto

Mobilität – wer mich kennt weiß, dass es mir sehr wichtig ist. Ich bin gern unabhängig, um dorthin zu kommen wo ich will und wann ich es will. Tobi hat Freude daran mich damit aufzuziehen, dass für mich ein Auto kein Extrakomfort ist, sondern eine Lebensgrundlage (er übertreibt damit natürlich maßlos…!). Schon sehr früh (Anfang meines Studiums) war ich mit meinem eigenen Auto unterwegs (Dank Oma und Opa 🙂 – ja, man könnte sagen ich bin verwöhnt, wenn es um fahrbaren Untersatz geht…).

Der Gedanke hier auf den Philippinen kein Auto zu haben war für mich also…sagen wir es so: schwierig. Doch ein Gedanke lies mich nicht los: DER VERKEHR!! Asiatischer Verkehr lässt sich nur schwer mit dem in Österreich vergleich. Es gelten andere Gesetze, zwar nicht auf dem Papier, da sind sie oft sehr ähnlich, aber im realen Leben schaut es doch ein bisschen anders aus. Doch ich wusste, ich musste meine Zurückhaltung überwinden, um mich hier zu Hause fühlen zu können.

Tobi hatte die Möglichkeit mit dem Van, den wir für die Volunteers haben gleich viel Erfahrung zu sammeln. Aber ich wollte auf keinen Fall mit einem großen Auto, dass nicht uns gehört irgendwelche Fehler machen. Darum vergingen einige Woche bis ich das erste Mal wieder hinter dem Steuer sitzen konnte…denn das kaufen eines Autos war kein einfaches unterfangen… Hier die Geschichte:

Unser Gedanke als wir hier gekommen sind war…wir kaufen uns ein gebrauchtes, in die Jahre gekommenes und kleines Auto. So haben es Bekannte von uns hier gemacht und es schien uns logisch. Aber mit umso mehr Leute wir darüber gesprochen haben umso unsicher wurden wir. Ausländer werden übers Ohr gehauen, kauft ein großes Auto (SUVs sind sehr beliebt hier), gebrauchte Autos sind gar nicht so viel billiger als neue und und und. Am meisten Sorgen machte uns, woher wir wissen sollten, dass ein gebrauchtes Auto gut war oder ob wir übers Ohr gehauen werden. Wir brauchten also Unterstützung.

Als erstes durchforsteten wir facebook…denn hier läuft alles über facebook! (man könnte facebook auch als das “willhaben” von Österreich bezeichen). Dann erkundigten wir uns über den Neupreis von verschiedenen Autos und schließlich gingen wir noch auf Tuchfühlung und schauten reale Autos an. Die Einkaufszentren sind hier oft auch Ausstellungsraum für ein paar Autos. Und in der Garage der Mall stehen dann Gebrauchtwagen, die zum Verkauf stehen. Beides nahmen wir unter die Lupe und entschieden unser Auto sollte kein SUV sein, aber eben auch kein Kleinwagen, denn wir wollten doch Platz für ein paar Leute haben.

Wir wurden Freund mit einem gewissen Autotyp: Toyota Avanza – ein 7 Sitzer, ein Art Minivan (wir hätten gerne einen Kombi gehabt, aber sowas gibt es hier fast nicht – außerdem mehr Platz, warum nicht?). Bei einem Besuch in der Garage sagen wir ihn dann – blitzblau, gut in Schuss (zumindest soweit wir das beurteilen konnten) und…getönte Frontscheibe: Eine Unart (wie wir finden) hier ist, dass alle Autos getönte Scheiben haben und obwohl das bei den hinteren Fenstern vielleicht ganz nett ist, ist uns der Sicherheitsaspekt wenn es um die Front und Seitenscheiben bei der vorderen Sitzreihe geht doch wichtig. In der Nacht ist die Sicht nämlich deutlich getrübt! Unbeleuchtete Objekte (wie Fußgänger!!!) sind schnell übersehen. Da dieser besagte Avanza diese getönten Scheiben hatte und das laut Verkäufer keine Folie, wie sonst oft war, verwarfen wir schweren Herzens diesen Kauf.

Weiter ging die Suche. Durch unsere Bekannten kamen wir in Kontakt mit einem Filipino, der Autos repariert und schon vielen beim Kauf von Autos geholfen hatte. Er war bereit mit uns auf Erkundungstour zu gehen. Ein neues Auto hatte wir zu dem Zeitpunkt schon wieder komplett verworfen – die Investition war uns einfach zu groß und einen riesigen Wertverlust mit einem kleinen Kratzer zu haben (was bei dem Verkehr und der Parkkultur hier schnell passieren kann) – erst Recht nicht wert.

Tobi hatte sich drei Autos herausgesucht, die er anschauen wollte. Ein Avanza und zwei Ertiga (gleiche Größe aber von Suzuki). Am Nachmittag gings los. Das erste war der Avanza. Er war ok, aber irgendwie schon bisschen heruntergekommen…aber gut, solange er funktioniert haben wir gedacht wäre es schon ok. Weiter gings zum Ertiga, der von einem Händler verkauft wurde. Der Verkehr wurde immer dichter und es dauert einige Zeit bis wir ankam – dann die Überraschung, das Auto wurde schon verkauft…! Enttäuscht schauten wir uns andere Exemplare dort an, aber alles nichts was so richtig passte. Es wurde immer später und der Verkehr immer schlimmer, aber nach einigem Hin und Her fuhren wir auch noch dem 3. Verkäufer – privat. Wieder ein Ertiga, etwas neuer, deutlich gepflegter, im Gegensatz zu dem Avanza mit Automatikgetriebe und natürlich auch etwas teurer.

Wir waren hin und her gerissen. Neuer, teurer, Automatik oder älter, billiger, Schaltgetriebe… Letztendlich siegte der Sparfuchs und wir entschieden uns für den Avanza, auch deshalb weil es bei dem anderen Probleme mit dem eingetragenen Fahrzeughalter gab und wir uns unnötige Papierprobleme ersparen wollten.

Wir sagten zu und vereinbarten einen Termin zum Bezahlen und Abholen. Am Tag des Kaufes redet Tobi nochmal mit seinem Stellvertreter – Pastor Robert. Als der erfuhr, dass es mit dem Autokauf schon so ernst war war er ganz außer sich… Er fand unsere Entscheidung gar nicht gut und wollte Tobi unbedingt davon überzeugen, dass wir uns ein besseres Auto kaufen sollten…als er merkte, dass Tobi nicht zu überzeugen war bot er an, dass Tobi wenigstens zu dem Kauf begleiten würde.

Gesagt getan – ich war natürlich voller freudiger Erwartung auf unser Auto, was mir endlich meine ersehnte Unabhängigkeit bringen würde. Nach ein paar Stunden dann der Anruf von Tobi: es hat sich herausgestellt, dass Pastor Robert nicht nur ein guter Pastor war, sondern sich wirklich gut mit Autos auskennt und gleich ein paar Macken an dem Auto entdeckt hatte…außerdem gab es Probleme mit der Anmeldung, denn der Kredit mit dem der Vorbesitzer das Auto gekauft hatte war zwar abbezahlt, aber er hatte keine Bestätigung von Anwalt dafür und darum konnte das Auto heute noch nicht angemeldet werden…wir müssten also noch ein, zwei Tage warten…der ganze Kauf lief alles andere als glatt und dann immer wieder die Worte von Robert: kauft ein besseres Auto! Wir merkten beide…das Auto war nicht das was wir kaufen sollten! Wie froh war ich, dass ich nicht dabei war, denn Tobi hatte jetzt die Aufgabe dem Verkäufer wieder abzusagen, der natürlich alles andere als erfreut war :/ Aber letztendlich ist es doch bissl Geld was man in ein Auto steckt und wenn es nicht passt, passt es eben nicht.

Also doch noch kein Auto für mich, äh uns…

Tobi erzählte Robert aber noch von dem Ertiga, von dem er gleich ganz begeistert war und durch seine Hilfe konnte auch die schwierige Papiergeschichte gelöst werden… nach mehreren Telefonaten wurde ein Termin vereinbart und zwei Tage später (dazwischen war der Sturm, nur damit ihr eine zeitliche Orientierung habt) machten sich die beiden wieder auf den Weg und diesmal kamen sie nicht ohne Auto nach Hause – hier ein Bild mit dem Verkäufer:

Ein besonderes Detail ist noch die Bezahlung. Hier wird gern alles in bar bezahlt. So hat Tobi sich das Geld bar von der Bank geholt und schön gestaunt, als er herausgefunden hat, dass hier tatsächlich 1000 Pesos der größte Schein ist. Das sind umgerechnet 20 Euro!! Im Bild sieht man, wie eine Summe von 9000 Euro (450000 Pesos) ausschaut… Ein interessantes Gefühl mit so einem Packen Geld herum zu laufen.

Letztlich war das dann mit den Papieren doch kein Problem mehr und nach Bestätigung von der Anmeldebehörde hat der Verkäufer dann die letzten 50.000 PHP bekommen. Tobi hat mir gleich nochmal ein Bild von sich in meinem, äh, unserem neuen Auto geschickt:

Jetzt sind wir endlich richtig mobil und eigenständig unterwegs. Ich habe diese Möglichkeit natürlich gleich am nächsten Tag genutzt, während Tobi noch arbeiten musste, und bin allein zum Markt und zur Uni gefahren um mich bezüglich meiner Anmeldung zu informieren…herrlich so ein eigenes Auto! 🙂

Und der Verkehr…an den gewöhnt man sich… 😉

In unserer Garage fühlt sich unser Auto so wohl wie in Österreich!

P.S. Auf Anfrage in den Kommentaren hier ein Video von der Fahrt von SSD nach AIIAS bei ruhigem Verkehr

Author

julia@tjka.at

Comments

Nicky
December 22, 2019 at 11:26 am

@thema auto…. ein alptraum diese story, aber was lange währt wird gut. außerdem seid ihr ja helles leder in der innen Ausstattung gewohnt 😉



Judy
December 23, 2019 at 10:41 am

Ein bissl Umwege – aber is ja super, dass es mit deinem – äh eurem Auto doch noch so gut geklappt hat! 😀😀😀



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